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GRÜNBAU:TALKS | Grün, resilient - Moderation: Philipp Sattler
GRÜNBAU:TALKS | Grün, resilient - Moderation: Philipp Sattler

Grüne Infrastruktur ist längst ein Must-have

Berlin, 21. Februar 2020

Am zweiten Messetag der bautec richteten die „GRÜNBAU:TALKS | Grün, resilient, nachhaltig“ den Fokus auf Auswirkungen des Klimawandels in urbanen Räumen. Und die sind bereits heute stärker zu spüren, als gemeinhin vermutet wird. Moderater Philipp Sattler von der Stiftung DIE GRÜNE STADT stellte bereits zu Beginn fest: „Grüne Infrastruktur ist längst kein nice-to-have mehr, sondern ein must-have“. Die Frage sei, wie Städte in Zukunft gebaut werden müssten, um sowohl mit dem zunehmenden Starkregen als auch mit dem immer stärkeren Aufheizen im Sommer umgehen zu können.

Die Antwort von Marco Schmidt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) lautet: Gebäudebegrünung und energieeffiziente Gebäudekühlung. Er zeigte Beispiele, wie Städte sich für den Klimawandel fit machen können. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten ist dabei für ihn der Schlüssel. Gründächer kühlen über Verdunstungskälte die Oberflächentemperatur von Gebäuden deutlich ab. Während sich Bitumenbahnen auf Flachdächern im Sommer bis auf 60°C aufheizen, herrschen auf einem begrünten Dach nur etwa 20°C. Auf diese Weise kühlen Gründächer nicht nur außen, sondern auch die Gebäude unter ihnen. Deshalb gehe der Trend heute zu Dachbegrünung und Photovoltaiknutzung.

Insgesamt führe das falsche Verhältnis von Verdunstung und Abfluss des Regenwassers durch Flächenversiegelung zu einer Störung des sogenannten kleinen Wasserkreislaufs. In Berlin und Brandenburg verdunsten mittlerweile 80 Prozent des Regenwassers, nur 20 Prozent fließen noch über die Flüsse ab, die deshalb im Sommer immer weniger Wasser führten. Dieses weltweite Phänomen führt zu einem globalen Austrocknen der Böden. Und durch Nachverdichtung steige in den Ballungsräumen die Versiegelung noch weiter an. Abhilfe schaffe da eine Kombination aus Dachbegrünung und Zisternen, die das Regenwasser auffangen könnten. Am Beispiel des Instituts für Physik in Berlin Adlershof stellte Schmidt eine mit etwa 450 Kübelpflanzen begrünten Fassade vor. Die sei nicht nur bei den Investitionskosten besser als ein konventioneller Sonnenschutz. Auch bei den Betriebskosten habe das Grün die Nase vorn: Nach drei Jahren beliefen sich die Betriebskosten der begrünten Fassade auf 1.300 Euro im Jahr, während bei der konventionellen Variante 16.500 Euro anfielen. „Noch immer haben die meisten Architekten eine Grünphobie, aber in Zukunft wird es nicht mehr ohne gehen“, so Schmidt.