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Wenn wir nicht nachhaltig bauen, wer dann?

Berlin, 21. Februar 2020

Im Forum up#Berlin wurde am Mittwoch (19.2.) kontrovers darüber diskutierten, was der Bausektor und die Politik beim Klimaschutz künftig leisten müssen. Dr. Matthias Jacob, Vizepräsident Bauindustrie, bemängelte das Fehlen von Werkzeugen und Mitteln, zweifelte aber nicht am Willen der Bauindustrie. Er forderte Dialog und Kollaboration über die gesamte Wertschöpfungskette. „Die Branche muss näher zusammenrücken und nicht gegeneinander arbeiten“, forderte Jacob. Jette Cathrin Hopp, Direktorin von Snøhetta, plädierte ebenso für eine bessere Abstimmung der Baubeteiligten:„Das kann kein Architekt allein leisten, dafür braucht es Kollaboration.“ Lothar Fehn-Krestas, Ministerialdirigent im Bundesbauministerium, betonte, die Bundesregierung habe in ihrem Klimapaket die Einstiegsschwelle so niedrig wie möglich gestaltet. Sinnvolle Förderung und ein moderates Ordnungsrecht sollen Anreize schaffen, im Bestand zu sanieren. Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführender Vorstand der DGNB bemängelte die fehlende Bereitschaft, nachhaltige Gebäude zu bauen. „Wir sollten nicht ängstlich sein, sondern uns trauen, den ersten Schritt zu gehen“, so Lemaitre. Ihr Nachhaltigkeitssiegel werde leider häufig als reines Marketing-Instrument gesehen. Deshalb wünsche sie sich von der Politik mehr Unterstützung bei der Bauqualität und Transparenz.

„Wir müssen schleunigst das Henne-Ei-Problem lösen“, forderte Dr. Peter Mösle von der Drees-&-Sommer-Tochter EPEA. „Es ist eine Bankrotterklärung, dass wir es nicht schaffen, Häuser zu bauen, die am Ende kein Schrott sind. Die Politik leitet fehl!“ Solange in der EnEV die Verbrennung von Müll dem Einsatz von Photovoltaik rechnerisch gleichgesetzt ist, habe man ein Problem. Dipl. Ing. Wolfgang Priedemann forderte, endlich den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen: „Die Normierungen und politischen Vorgaben sind schon fast niveaulos.“ In Berlin-Brandenburg seien im Sommer letzten Jahres 330 Menschen aufgrund der Hitze gestorben. Das bedeute 330 Klimatote. Es werde höchste Zeit, etwas zu tun, sonst müssten noch viel mehr Menschen sterben. „Wir müssen die Städte anders planen und bauen, weil wir im Sommer mediterranes Klima haben.“

Die Kritik am politischen Rahmen wollte Fehn-Krestas nicht gelten lassen: „Wollen wir wirklich ein komplettes Regelwerk schaffen, das uns sagt, was man darf und was nicht?“ Planerische Intelligenz und Verantwortung seien genauso gefordert wie das Ordnungsrecht. Schließlich müsse Wohnen auch bezahlbar bleiben, die Politik alleine könne das Problem nicht lösen. „Leider“, so Fehn-Krestas weiter, „haben wir eine Kultur des gewachsenen Misstrauens unter den Baupartnern.“ In diesem Punkt pflichtete ihm Jacob bei: „Wir brauchen Kooperation aller am Bau Beteiligten und kein Schwarzer-Peter-Spiel. Die Probleme können wir nur als Branche lösen.“ „Es gibt keine Entschuldigung, nichts zu tun“, sagte Jette Cathrin Hopp. Das Know-how sei bekannt, es müsse nur neu zusammengefügt werden. Zum Abschluss bekräftigte Lemaitre: „Das GEG ist weichgespült. Wenn wir nicht nachhaltig bauen, wer dann?“ Der Rest der Welt schaue auf Deutschland. „Wenn wir nichts tun, denken die, wir wüssten nicht, wie es geht. Das wäre ein fatales Signal.“ Immerhin herrschte unter den Kontrahenten Einigkeit darüber, dass man anfangen muss, mit einander zu reden.